Influenza

Die Pferdeinfluenza ist eine Viruserkrankung der oberen und unteren Atemwege. Sie wird durch Influenza A-Viren, die meist durch Tröpfcheninfektion oder direkten Kontakt übertragen werden, verursacht.

Symptomatisch äußert sich die Erkrankung in den ersten Tagen durch Fieber und im weiteren Verlauf durch starken, bis zu 3 Wochen anhaltenden, Husten. In schweren Fällen werden die Pferde lethargisch und verweigern jegliche Futteraufnahme. Tragende Stuten können eine Fehlgeburt erleiden. In einem Bestand sind häufig mehrere Tiere betroffen.

Nicht selten führt diese Erkrankung zu sekundären bakteriellen Infektionen und auch zu chronischen Atemwegsproblemen.

 

Impfprophylaxe:

Zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Einzeltieres und der gesamten Pferdepopulation wird eine Impfung angeraten. Für Turnierteilnahme ist die Impfung verpflichtend.

- Grundimmunisierung: 1. Injektion ab 5.-6. Lebensmonat

                                             2. Injektion 4-6 Wochen später

                                             3. Injektion 5 Monate nach der 2. Injektion

- Wiederholungsimpfung: jährlich

- wichtig für Turnierreiter/innen: Wiederholungsimpfungen immer im Abstand von höchstens 6 Monaten + 21 Tage

 

 

Herpesvirusinfektionen

Equine Herpesviren können verschiedene Krankheitsbilder auslösen.

 

Virusabort (EHV1 )

In Deutschland können etwa 40% aller Aborte auf das Herpesvirus zurückgeführt werden.

Die Übertragung erfolgt über direkten Kontakt, abortiertes Material (Fruchthüllen ect.) und auch Fohlen, die keine klinischen Anzeichen zeigen. Die Infektion erfolgt über den Respirationstrakt und breitet sich dann über das Blut bis zur Gebärmutter aus. Die folgende Plazentitis führt dann zum Abort. Das klinische Bild wird in zwei Erscheinungsformen eingeteilt: der Abort und das paralytische Syndrom.

Die Fehlgeburt kommt meist ab dem 7. Trächtigkeitsmonat vor. Charakteristisch hierbei ist, dass der Fötus frisch erscheint, also keine Anzeichen von Auflösung aufweist.

Das paralytische Syndrom wird geprägt durch initiales Fieber, wässrigen Nasenausfluss, Gliedmaßenödeme und Ataxie.

Die Prognose für die Mutterstute nach dem Abort ist günstig. Leichte Ataxie kann auftreten. Bei schon festliegenden Tieren sind die Aussichten fraglich bis ungünstig.

 

Rhinopneumonitis (EHV4 )

Diese Gruppe Viren befällt meist nur junge Pferde, wird durch Tröpfcheninfektion übertragen und ist weltweit verbreitet.

Die Inkubationszeit beträgt 2-10 Tage, es kommt zu Husten, Nasenausfluss, Entzündungen im Rachen und zur Schwellung der Lymphknoten. Als Komplikationen können sekundär bakterielle Infektionen, Durchfall und wiederkehrendes Fieber auftreten. Bei unkompliziertem Verlauf stehen die Heilungschancen günstig.

 

Impfprophylaxe:

- Grundimmunisierung: 1. Injektion ab dem 6. Lebensmonat

                                             2. Injektion 4 Wochen später

- Wiederholungsimpfung: jeweils halbjährlich

- Impfung tragender Stuten um einen Abort zu verhindern: im 5. und 7. und 9. Monat der Trächtigkeit.

 

 

Tetanus

Tetanus ist eine bakterielle Infektion mit "Clostridium tetani". Diese Keime kommen überall vor und ihre Sporen überleben mehrere Jahre im Boden.

Die Infektion erfolgt häufig über Wunden, wo unter Luftabschluss eine explosionsartige Keimvermehrung stattfindet.

Das klinische Bild wird durch anfängliche Schluck- und Kaubeschwerden geprägt. Wobei es im weiteren Verlauf zu sägebockartiger Haltung, Übererregbarkeit bis hin zum Festliegen mit Schweißausbrüchen kommt.

Infektionen bei ungeimpften Pferden enden, trotz aller Therapieversuche, häufig tödlich.

 

Impfprophylaxe:

- Grundimmunisierung: 1. Injektion ab dem 6. Lebensmonat

                                             2. Injektion 4 Wochen später

- Wiederholungsimpfung: spätestens 17 Monate nach der Grundimmunisierung

                                             danach alle 2 Jahre

- Geimpfte Stuten geben den Schutz über die Biestmilch an das Neugeborene weiter, achten Sie deshalb bei Fohlen auf die ausreichende Milchaufnahme am ersten Tag nach der Geburt!

 

 

Hautpilzinfektionen

Die umgangssprachlich als "Pilz" bekannte Erkrankung wird durch unterschiedliche Trichophyton-, Microsporum- und Candidaarten ausgelöst.

Die Übertragung erfolgt durch direkten oder indirekten Kontakt (Putzzeug, Geschirr), wobei die Anfälligkeit abhängig vom Immunstatus, Alter, Umgebung und Ernährungszustand des Pferdes ist. Somit müssen nicht alle Pferde, die mit kontaminierten Gegenständen in Kontakt kommen, auch erkranken.

Die Inkubationszeit beträt 1-6 Wochen, danach bilden sich kleine Läsionen oder auch Quaddeln, die z.T. stark jucken und kahl werden. Im klinischen Bild hat man dann meist kreisrunde kahle Stellen.

 

Die Dermatophytose kann mit Hilfe von Waschungen oder Immunisierungen, in schweren Fällen ist beides in Kombination nötig, geheilt werden.

 

Impfprophylaxe:

Die Immunisierung kann prophylaktisch oder auch als Therapie eingesetzt werden.

- Grundimmunisierung: 1. Injektionen

                                             2. Injektion 2 Wochen später

- in sehr schweren Fällen kann eine 3. Injektion (ebenfalls in 2-wöchigem Abstand) nötig sein

- Wiederholungsimpfung: alle 9 Monate je 2 Injektionen im Abstand von 2 Wochen (wenn man den Impfschutz vorbeugend aufrecht erhalten möchte)

 

 

West-Nil-Virus

Das ursprünglich aus Afrika stammende West-Nil-Virus wird durch Stechmücken übertragen.  Der eigentliche Endwirt sind Vögel, als Fehlwirte können aber auch Pferde und Menschen erkranken. Eine Übertragung direkt von Pferd zu Pferd oder von Pferd zu Mensch ist also nicht möglich (außer über Blutkontakt), es muss eine virustragende Mücke der Überträger sein.

 

Das West-Nil-Virus zählt zu den anzeigepflichtigen Krankheiten in Deutschland!

 

Der Großteil der infizierten Pferde zeigt keine Symptomatik. Vereinzelt kommt es aber zu starken neurologischen Störungen wie Stolpern, Nachhandlähmungen, gelähmte Lippen, Schwäche bis hin zum Festliegen. Es können fieberhafte Allgemeinerkrankungen und kolikartige Symptome auftreten, teilweise fressen die Pferde schlecht. Häufiger zu beobachten sind Muskelzittern und Verhaltensänderungen (Depression).

Bei einer Verbesserung der Symptome innerhalb von 3-7 Tagen ist mit einer Heilung innerhalb von 6 Monaten zu rechnen, wobei Störungen im Gangbild und Verhaltensänderungen dauerhaft bestehen bleiben können.

Etwa 30% der schwer erkrankten Tiere überleben nicht.

 

Impfprophylaxe:

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) empfiehlt, Pferde, die in den bereits betroffenen Gebieten gehalten werden oder während der Mückensaison in diese Gebiete verbracht werden sollen, gegen WNV zu impfen. Hierfür sollte die Grundimmunisierung vor Beginn der Mückensaison abgeschlossen sein. Aufgrund der aktuellen Ereignisse würden wir eine Impfung in Sachsen empfehlen.

- Grundimmunisierung: 1. Injektion ab einem Alter von 6 Monaten

                                             2. Injektion 3-5 Wochen später

- Wiederholungsimpfung: jährlich

 

 

Borreliose

Borreliose (Lyme Disease) ist eine bakteriell bedingte Zoonose, ausgelöst durch Borrelia burgdorferi. Die Übertragung erfolgt durch Zecken, wobei die Bakterien 14 - 16 Stunden nach Biss in den Wirt gelangen.

Die Inkubationszeit kann 2-5 Monate dauern, dann äußert sich die Erkrankung mit Fieber und Apathie. Tragende Stuten können ihre Fohlen abortieren oder es kommen lebensschwache Fohlen zur Welt. Außerdem kann es zu wechselnden Lahmheiten und neurologischen Störungen kommen.

 

Prophylaktisch wird geraten, die Pferde unter Zeckenschutz zu stellen.

 

Impfprophylaxe:

- Grundimmunisierung: 1. Injektion ab einem Alter von 12 Wochen

                                             2. Injektion im Abstand von 2-3 Wochen

- Wiederholungsimpfung: jährlich

- Die Impfung sollte zu Beginn der Zeckensaison durchgeführt werden.

 

 

Druse

Die Druse ist eine durch das Bakterium Streptococcus equi ssp. equi verursachte, weltweit vorkommende Erkrankung. Die Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion oder kontaminierte Gegenstände und Geräte. Die Inkubationszeit beträgt 3-7 Tage, dann fallen die meisten Pferde durch hohes Fieber (40°C), Apathie und Inappetenz auf. In den folgenden Tagen kommt es auch zu eitrigem Nasenausfluss und zur Schwellung der Lymphknoten mit Abzessbildung. Die betroffenen Lymphknoten am Kopf sind dabei besonders auffällig, generell können aber alle Lymphknoten im Körper anschwellen.

Bei jungen Pferden verläuft die Erkrankung häufig komplikationslos. Bei älteren und geschwächten Pferden können Komplikationen wie Drusenmetastasen an ungünstigen Lokalisationen auftreten und zum Tod führen. Dies erfolgt bei bis zu 10% der erkrankten Tiere.

 

Ein Impfstoff gegen Druse ist in Europa verfügbar, ist jedoch nicht praktikabel durch z.B. die notwendige Injektion in die Innenseite der Oberlippe.

Als weitere Möglichkeit kann man für einen betroffenen Bestand einen stallspezifischen Impfstoff herstellen lassen.

 

 

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© Tierarztpraxis Dr. Hartmut Birke